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Autor Thema:  "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)  (Gelesen 2344 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

"Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« am: 06.08.2016, 21:30:23 »
Liebe Leute,

ich bin noch ziemlich neu in der Linux-Welt... Ich habe nun schon oft gelesen, dass Ubuntu diese besondere Ideologie hat, keine proprietäre Software anzubieten und dass das bei Mint anders ist. Außerdem ist Mint eine Abspaltung von Ubuntu. So weit richtig?

Wie muss man sich das eigentlich mit der "Harmonie" vorstellen, wenn eine Distro aus einer anderen entsteht, also z.B. Mint aus Ubuntu? Gibt es dann erbitterten Streit unter den Entwicklern, nach dem Motto "Ihr Verräter!" oder geht das ohne größere Feindseeligkeiten ab?

Und noch eine Frage: Woher kommt eigentlich der Name "Mint"? Habe selbst im englischen Wikipediaartikel nichts dazu gefunden.

LG,
Minute

Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #1 am: 06.08.2016, 21:49:42 »
Ich habe nun schon oft gelesen, dass Ubuntu diese besondere Ideologie hat, keine proprietäre Software anzubieten und dass das bei Mint anders ist.
Das stimmt so sicher nicht. Bei Ubuntu muss man lediglich die Installation unfreier Software (wie Codecs etwa) manuell anstoßen, wie es übrigens bei Mint 18 jetzt auch ist. Diese wenigen Mausklicks nimmt einem Mint halt ab. Als "Ideologie" würde ich das jetzt nicht bezeichnen wollen. ;)
Auch kannst du im Ubuntu Softwarecenter jede Menge unfreie Software bekommen und sogar kaufen!

Eine andere Sache ist das mit der Harmonie... kann man im Forum der Ubuntuusers.de manchmal beobachten, wie verschnupft da manche reagieren, wenn man erwähnt, Mint zu benutzen. ;)
Umgekehrt ist man hier meist nicht so zugeknöpft.
« Letzte Änderung: 06.08.2016, 21:56:12 von toffifee »

Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #2 am: 06.08.2016, 21:54:33 »
Aha, dann habe ich das wohl etwas überinterpretiert :)

Weißt du denn, was Mint bedeutet oder woher der Name kommt?

Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #3 am: 06.08.2016, 21:57:33 »
Mint bedeutet "Minze" und sollte wohl "Frische" suggerieren... ;)

Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #4 am: 06.08.2016, 22:46:34 »
Zitat
I was writing for http://linuxforums.org and I wanted to try and host some of my articles myself so I needed a domain name and I chose "linuxmint.com" (mostly because it was short, obviously related to Linux, and connoted the notion of freshness and technology which just works).
That's how the name came initially, as a domain name for a Linux website …
http://www.networkworld.com/article/2170903/software/q-a--clement-lefebvre--the-man-behind-linux-mint.html

MINT ist auch ein Kürzel für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Die Minze ist eine variable Wunderwaffe, sie sorgt für den kleinen Frischekick in Gerichten und Getränken und für eine unverwechselbare Note.
Sehr lecker zB im italienischen Salat.
« Letzte Änderung: 07.08.2016, 11:00:40 von aexe »

Z-App

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Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #5 am: 07.08.2016, 10:47:48 »
Nun ist aber eines noch nicht geklärt. Ist mint eine Abspaltung von ubuntu? Dazu müssten die Entwickler vorher an ubuntu mitgewirkt haben und dann entschieden haben - aus welchen Gründen auch immer - ihr eigenes Ding zu machen. Dafür finde ich keinen Hinweis.
In dem von aexe verlinkten Interview findet sich immerhin, dass dies auf Clement Lefebvre nicht zu trifft. Und wie ist es mit den Mitstreitern?


Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #6 am: 07.08.2016, 10:52:36 »
keine Abspaltung, ist in dem verlinkten Artikel auch angesprochen
Zitat
Ubuntu was never "forked". It was and still is used as a package base and regarded as an upstream component. Why Ubuntu? Because it was (and still is) the best package base.

Z-App

  • Gast
Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #7 am: 07.08.2016, 11:19:53 »
Das habe ich gelesen. Das lese ich aber im technischen Kontext. Mehr als 95% der Pakete kommen unverändert vor ubuntu. Mint kratzt nur an der Oberfläche. Das meine ich jetzt mehr im Sinne der Redewendung.

Aber "Harmonie" findet ja auf menschlicher Eben statt. Ich kann einen gehegten Groll besser verstehen, wenn ich die Hintergründe kenne.

(Man muss ja nicht gleich bis ins Jahr 1729 zurück gehen und sagen: „Dein Obervater hat meiner Altgroßmutter einen Kanten Brot geklaut und das, obwohl sie noch ein Kind war“)

Korfox

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Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #8 am: 07.08.2016, 11:29:27 »
Ich mag hier auch meinen Senf abgeben:

Mint ist näher an "Flavor von Ubuntu" dran, als an "Fork". Eigentlich ist Mint ein Ubuntu-Derivat. Also ähnlich, wie Kubuntu, Lubuntu, Xubuntu, ...
Zusätzlich bringt Mint inzwischen nicht nur eigene Artworks und einen etwas aufgepeppten Installer mit, sondern auch diverse eigenentwickelte Tools (Cinnamon und Mate kommen vom Mint-Team, wobei Cinnamon als Gnome3-Fork startete und MATE ein Gnome2-Fork ist. Die X-Tools und die Minttool sind wohl das zweite große eigene Toolpaket von Mint selbst).

Harmonie:
Bei den Ubuntulern wird manchmal garnicht gerne gesehen, wenn Derivate von Ubuntu existieren/erzeugt werden und sich als eigenständig ausgeben. Hier iwrd oft nur der Ubuntu-Stamm selbst supported (Ubuntu, Lubuntu, Xubuntu, Kubuntu, Ubuntu Mate). Mit Mint wird man häufig darauf verwiesen, dass man ja eine ach so eigenständige Distribution hat und daher doch bitte auch in den zugehörigen ach so eigenständigen Foren nachfragen soll.
Andersrum basiert Ubuntu auf Debian. Canonical spiegelt für gewöhnlich während der Entwicklung die gesamten Debian Testing-Repoisitories, freezed diese und baut die Software, die in eigenen Repos angeboten wird gegen den Ubuntu-Kernel. Im Multiverse (?) Repository kannst du alles finden, was von Debian gespiegelt, aber nicht an Ubuntu angepasst wurde.
Die Debian-Community wirft Canonical und der Ubuntu-Community häufig vor, viel zu nehmen (eben die gesamte Debian-Paketbasis) und wenig zurückzugeben (häufig fällt Canonical mit Entscheidungen auf, mit denen sie völlig alleine stehen... Mir vs. Wayland, Unity, ... und neigt nich dazu, Eigenentwicklungen wieder nach Debian zurückzuportieren.

Von daher: Von Debian nach Ubuntu, von Ubuntu nach Mint... es ist nie gerne gesehen. Umgekehrt verstehen die 'nachfolgenden' nicht, warum sie von den 'vorgehenden' abgelehnt werden. Für Minzler ist es unverständlich, dass sie in der Ubuntu-Community oft nicht nett behandelt werden, für Ubuntuler ist es unverständlich, dass sie in der Debian-Community oft nicht nett behandelt werden.

Im Ergebnis sind die unfrendlichen aber eigentlich Einzelfälle und man verträgt sich ganz gut.

Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #9 am: 07.08.2016, 11:41:55 »
(Cinnamon und Mate kommen vom Mint-Team,
Hinsichtlich MATEs stimmt das nicht.
Zitat
History

GNOME 3 (released in April 2011) replaced the classic desktop metaphor, substituting its native user interface: GNOME Shell. This action led to some criticism from parts of the free software community. Some users refused to accept the new interface design of GNOME and called for continued development of GNOME 2. An Argentine user of Arch Linux started the MATE project in order to meet this demand and announced the availability of MATE on 18 June 2011.
https://en.wikipedia.org/wiki/MATE_(software)

Mag sein, dass Leute, die bei Mint auch eingebunden sind, dann sehr engagiert bei MATE waren (weiß ich jetzt nichts näheres), aber dennoch ist das so eben nicht richtig.
« Letzte Änderung: 07.08.2016, 11:46:04 von leonidas »

Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #10 am: 07.08.2016, 11:47:13 »
Mate Team http://mate-desktop.com/team/
Insbesondere sind dort vertreten Clem (Linux Mint) und Wimpy (Ubuntu Mate)

Korfox

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Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #11 am: 07.08.2016, 11:47:44 »
Tatsache. Wahrscheinlich vermutete ich den Ursprung bei Mint, da Mint als erstes MATE integrierte (in die Arch repos kam es erst mit version 1.12?) und Clement da im Team verankert ist... http://mate-desktop.com/de/team/

Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #12 am: 07.08.2016, 12:28:13 »
Ich würde es bei dem Thema nicht so sehen dass die beiden Seiten die man unterscheiden muss "Forks" und "basierend auf" sind wenn wir von Distros reden.
Forken kann man alles was aus Code besteht, Software wie Desktopumgebungen, einen Editor, Musikplayer etc.
Distros als Ganzes sind eigentlich immer "basierend auf", es gibt ja keinen "Distro-Sourcecode" den man von A-Z nimmt und forkt und daran arbeitet.
Aber das "based-on XY" bei einer Distro und das Forken einer Software fällt beides in die gleiche Gruppe, das ist beides auf der gleichen Seite, nicht das was man unterscheiden muss. Ob man es jetzt Fork oder "based-on" nennt usw das ist ja quasi Semantik.

Der Punkt ist, man sieht sich ein Projekt an (eine Distro, einen Desktop, einen Musikplayer) und sagt: Ich habe da etwas andere Vorstellungen, ich möchte da etwas ändern. Die beiden Seiten wenn man etwas anderes möchte sind immer: Trägt man zum bestehenden Projekt bei und fügt dem etwas hinzu oder forkt man es (kopieren + dann Änderungen machen). Sowas wie Mint, das basieren einer Distro auf eine Andere fällt eindeutig in die zweite Kategorie, man hat einen eigenen Projektnamen, ein eigenes Team, trifft eigene Entscheidungen aber übernimmt auch viel vom ursprünglichem Projekt.

Die gesündere Entscheidung wäre es anzustreben zum bestehenden Projekt beizutragen (oder sich das zu überlegen) und erst wenn man sagt Ne, das ist nicht mehr möglich, die Vorstellungen gehen zu weit auseinander, dann macht man sich selbstständig. Die Kritik die kleine Distros wie Mint oft trifft rührt daher dass manche der Meinung sind sie sollten das Kernstück ihrer Arbeit, meistens eine Desktopumgebung wie Cinnamon einfach als Desktop anbieten und sich darauf fokussieren und ansonsten ihre Kräfte zum Upstream Projekt beisteuern sollten. Ich sehe das im Fall von Mint nicht so aber generell gibt es schon die Tendenz einfach aus Prinzip von seinem Recht zu Forken Gebrauch zu machen weil man dann sein eigener Chef ist und wirklich alles nach seinem Kopf geht wohingegen es schwerer ist sich in einem größeren Team einzufügen und Kompromisse einzugehen. Für die resultierende Software und deren Qualität wäre es aber öfter mal sinnvoller seine Kompetenzen und halt auch schlichtweg die Manpower die dahinter steckt zu bündeln.

Korfox

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Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #13 am: 07.08.2016, 13:19:47 »
Ich würde es bei dem Thema nicht so sehen dass die beiden Seiten die man unterscheiden muss "Forks" und "basierend auf" sind wenn wir von Distros reden.
Forken kann man alles was aus Code besteht, Software wie Desktopumgebungen, einen Editor, Musikplayer etc.
Distros als Ganzes sind eigentlich immer "basierend auf", es gibt ja keinen "Distro-Sourcecode" den man von A-Z nimmt und forkt und daran arbeitet.
Aber das "based-on XY" bei einer Distro und das Forken einer Software fällt beides in die gleiche Gruppe, das ist beides auf der gleichen Seite, nicht das was man unterscheiden muss. Ob man es jetzt Fork oder "based-on" nennt usw das ist ja quasi Semantik.

Ich will dir deinen Ansichtspunkt nicht in Abrede stellen und denke, er ist aus einer gewissen Sicht sehr gerechtfertigt.
Eine Ebene tiefer kann man dann unterscheiden zwischen Fork, Derivat und based on.

Fork ist: Ich nehme die kompletten Repos, spiegele sie und arbeite ab dann komplett unabhängig von den original Repos. Fuduntu war ein Fedora-Fork - leider wurde er eingestellt. Angefangen als Fedora-Community-Spin bzw. Derivat (komplett auf den Fedora-Repos basierend) hat man das Packageing komplett umgestellt, ohne sich von der Fedora-Idee abzuwenden. Damit entstand ein komplett eigenständiges Linux-Derivat, das aber von Fedora abstammte. Ich denke, auch Ubuntu ließe sich als Debian-Fork bezeichnen, wobei hier klar im Wege steht, dass immer wieder die Debian-Repos gespiegelt werden und man eben nicht komplett eigenständig ist. (Eigentlich würde ich bei Ubuntu sagen: Es wird zu jedem Release neu geforked.. .vielleicht sollte man es daher als Branch bezeichnen)

Mint ist based on Ubuntu. Es ist im großen und ganzen ein Ubuntu und bringt einige (verhältnismäßig wenige) Pakete aus eigenen Repos mit, die in Ubuntu nicht zu finden sind.

Kubuntu ist ein Ubuntu-Derivat. Es ist komplett in den Ubuntu-Repos zu finden und bringt nur eine andere Softwarevorauswahl mit, als Ubuntu.

Ich mag da btw. die Timeline sehr gerne - sie unterscheidet nicht zwischen Fork, Branch, Derivat usw. (Abgesehen vom Ursprung, da die ältesten Distributionen, die aus GNU/Linux entstanden freilich unabhängig voneinander sein dürften):


Re: "Harmonie" bei Abspaltungen (z.B. Ubuntu -> Mint)
« Antwort #14 am: 07.08.2016, 20:14:26 »
Unheimlich spannend zu lesen! Da wird mir schon einiges klarer, was da so im Hintergrund abläuft :)

Der Artikel (Interview mit Clement) war sehr interessant und enthielt viele der Fragen, die ich mir schon gestellt habe, aber nicht beantworten konnte.