Software Unter Mint Installieren

Software unter Linux Mint finden und installieren

 
Dieser kleine Leitfaden soll den Umsteiger darin unterstützen, sein frisch installiertes Linux Mint um passende Software zu erweitern, d.h. diese aufzufinden, herunterzuladen und richtig zu installieren. Das läuft bei Linux etwas anders ab als bei einem verbreiteten System aus Redmond ;)

Bevor mit Windows 8 der zentrale App-Store eingeführt wurde (und wegen dessen Füllstand auch heute noch meistens), suchte man sich als Windows-Benutzer auf irgendwelchen Internet-Seiten seine Programme zusammen. Unnötig zu erwähnen, dass man dabei manchmal auf unseriöse Angebote hereinfallen konnte...

Ob seriös oder nicht – man lud sich am Ende meist eine .exe – oder .zip-Datei herunter und startete sie per Doppelklick. Entweder begann dann sofort die Installation oder das Archiv entpackte sich und förderte u.a. eine setup.exe Datei zutage, die man wiederum doppelklickte. Man brauchte eigentlich nur darauf zu achten, dass die geladene Version auch mit der eigenen Windows Version zusammenpasste. Ferner erwartet eine Windows-Installationsroutine meist die Angabe eines Verzeichnisses für die Installation, was bei Linux/Mint in der Regel nicht nötig (und möglich) ist.

 
Und wie läuft es bei Linux Mint?

 
Wenn die bereits vorinstallierte Software nicht ausreicht – und das dürfte bei den Wenigsten der Fall sein – so sollte man zunächst einen Blick in die Softwareverwaltung von Mint werfen.

 
Die Mint Softwareverwaltung (oder Anwendungsverwaltung)

 
Hier findet man nach Art eines „App-Stores“ Programme aus unterschiedlichen Sparten sortiert und mit einer kurzen Beschreibung und Bewertung versehen. Bei Interesse kann man mit einem einfachen Klick auf „Installieren“ das Programm installieren und mit einem auf „Entfernen“ auch wieder aus dem System löschen. Für Einsteiger ist die Softwareverwaltung ein intuitiver, sicherer und sehr einfacher Zugang zur Softwarewelt von Mint. Hier ist Software aufgeführt, die in den sog. "Quellen" oder auch "Repositories" von Mint/Ubuntu liegt. Repositories sind Server mit sicherer und getesteter Software für Mint.

Einen weiteren Überblick über die Welt der Linux-Programme kann das hervorragende Wiki auf Ubuntuusers.de liefern. Unter der Rubrik „Software“ findet man Programme mit noch viel ausführlicheren Beschreibungen als in der Softwareverwaltung. Auch aus dem Wiki heraus kann man ein Programm teilweise direkt per Mausklick installieren, wenn es in den Quellen vorhanden ist.

 
Die Paketverwaltung Synaptic

 
Während die Anwendungsverwaltung auf das Finden von Programmen spezialisiert ist, kann die Synaptic Paketverwaltung, die bei Mint vorinstalliert ist, jedwedes Paket aufspüren. Die Verwaltung ist ein grafisches Programm mit komfortablen Such- und Filtermöglichkeiten. Ist ein Paket gefunden, kann es mit Rechtsklick darauf und Wahl von „zum Installieren vormerken“ und anschließendem Klicken auf „Anwenden“ installiert werden. Ggf. noch erforderliche weitere Pakete (sog. „Abhängigkeiten“) werden automatisch mit heruntergeladen und installiert.
Auch hierbei ist ausgeschlossen, dass man zum eigenen System inkompatible oder unsichere Software erwischt.
 
 
Im Terminal
 
 
Der Mintkenner installiert Pakete bekannten Namens ganz einfach in der Textkonsole mit dem Befehl sudo apt-get install PAKETNAME.
 
 
Vorsicht beim Deinstallieren!

Immer zu beachten ist bei der Deinstallation von Software, dass u.U. zusätzliche Pakete mit entfernt werden können! Diese werden detailliert angezeigt und sollten unbedingt beachtet werden! Im Zweifel, ob die Pakete entbehrlich sind oder nicht, sollte man die Deinstallation lieber abbrechen! Wer beispielsweise unter Cinnamon versuchen würde, den Dateimanager Nemo zu deinstallieren, entfernt sich damit gleich den ganzen Desktop!
 
 
Fremdquellen nutzen
 
 
Die bis hier beschriebenen Methoden können verwendet werden, um Software aus den Softwarequellen (oder „Repositories“) von Mint bzw. Ubuntu zu finden und zu installieren. Dies ist für Einsteiger die empfohlene Quelle für Programme, da sie wie schon gesagt, vertrauenswürdig und geprüft ist, also ein hohes Maß an Stabilität und Sicherheit garantiert. Sie sollte immer anderen Quellen vorgezogen werden.
 
Daneben existieren aber noch weitere Möglichkeiten, an Software zu gelangen, die nicht zu den offiziellen Paketquellen von Mint/Ubuntu gehört:
 
 
DEB-Dateien
 
 
Am simpelsten und dem Windows-Vorgehen am ähnlichsten ist es, wenn der Softwareanbieter sein Programm als .DEB – Datei anbietet. Wird solch eine Datei für Ubuntu/Mint angeboten und besitzt auch die passende Architektur (32 oder 64 Bit), reicht ein Download der Datei und ein anschließender Doppelklick darauf, um die Software zu installieren. Beispielsweise wird die Irfanview-Alternative XnviewMP auf diese Art angeboten.
Der Nachteil dieser Methode ist, dass die Programme an der Softwareverwaltung vorbei installiert und meistens nicht automatisch aktualisiert werden.
 
 
PPA (Personal Package Archive)
 
 
Diesen Nachteil vermeidet man, wenn man auf ein sog. PPA („Personal Package Archive“) zurückgreift. Das ist eine private Paketquelle, die den offiziellen Paketquellen hinzugefügt werden kann. Tauchen in diesem PPA Updates auf, werden sie von der Updateverwaltung genauso berücksichtigt und installiert wie die offiziellen.
Auf den allermeisten Internetseiten, die solche PPAs anbieten, ist an irgendeiner Stelle ein Dreizeiler für das Eingeben im Terminal aufgeführt, nach dem Muster
 
 sudo add-apt-repository <Pfad_der_Paketquelle>
 sudo apt-get update
 sudo apt-get install <Paketname>

Teilweise gibt es aber auch die passenden Einträge zum Einfügen in die grafische Aktualisierungsverwaltung:
Bearbeiten > Anwendungspaketquellen > PPAs > Neues PPA hinzufügen
Nach dem Hinzufügen werden mit Klick auf "Zwischenspeicher erneuern" die Quellen neu eingelesen. Dann steht das Programm normal über die Anwendungsverwaltung bzw. auch Synaptic zur Verfügung oder - wenn bereits installiert - wird es automatisch über das PPA aktualisiert.

LibreOffice z.B. wird in den aktuellsten Varianten sowohl als eine Reihe von DEB-Dateien als auch als PPA angeboten.

PPAs müssen mit der eigenen Mint/Ubuntu-Version kompatibel sein. Das ist i.d.R. auf der Homepage der Quelle vermerkt.
PPAs sind eine Besonderheit von ubuntuiden Distributionen.

 
Tar.gz Dateien

 
Schließlich gibt es noch die Variante, dass eine Software im Form einer komprimierten Archivdatei (bei Linux häufig mit der Endung .tar.gz) zum Download angeboten wird. Diese Archive können mehrere Arten von Inhalt haben. Zunächst jedoch muss man sie nach dem Download durch Doppelklick entpacken lassen.
 
Im einfachsten Fall ist im Archiv ein Ordner enthalten, der alle für das Programm benötigten Dateien umfasst sowie eine ausführbare Datei, die man doppelklickt und damit die Software startet (nachdem man sie ggf. vorher als ausführbar markiert hat). Eine Installation im eigentlichen Sinne ist nicht nötig, das Verzeichnis mit den Programmdaten kann an beliebiger Stelle (im eigenen Home-Verzeichnis) abgelegt werden, oder auch auf einem USB-Stick. Man nennt dies daher auch oft „portable Software“.
 
Es kann aber auch sein, dass die ausführbare Datei ein Installationsscript anstößt. Wie das genau zu tun ist und wie die Software abschließend gestartet werden kann, sollte eine Textdatei erklären, die dem Archiv meist beiliegt.
 
Am kompliziertesten ist es, wenn die Archivdatei sog. Quelltext (oder „Sourcecode") enthält. Das ist kein ausführbares Programm, sondern nur dessen "Bauplan" und muss erst mit Entwicklersoftware übersetzt ("kompiliert") werden. Für Einsteiger ist dies i.d.R. zu aufwändig und fehlerträchtig. Zum Glück muss auf diese Art der Softwarebeschaffung heutzutage auch unter Linux nur noch sehr selten zurückgegriffen werden. Man begegnet ihr am ehesten bei exotischer Software oder tagesaktuellen Entwicklerversionen.
 
Bei allen Softwareinstallationen von Nicht-Distributions-Quellen besteht prinzipiell ein gewisses Risiko, dass man die Stabilität und/oder Sicherheit seines Systems beeinträchtigt. Mit Ausnahme der PPA-Methode erhält man zudem keine automatischen Updates.

Vertiefende Infos findet man u.a. hier: https://wiki.ubuntuusers.de/Paketverwaltung

AppImages, Snap
Recht neu sind Distributionsformen wie Ubuntus Snap oder AppImages.
Diese Dateien enthalten alles, was eine Software zum Laufen benötigt, in einem Container. Eine AppImage Datei muss nach dem Download nur als ausführbar markiert werden und kann an einem beliebigen Ort (in Home) gespeichert werden. Es können so auch parallel verschiedene Versionen einer Software benutzt werden.
Nachteile sind der höhere Speicherplatzverbrauch auf der Platte und nicht automatisch erfolgende Updates.

Thema Updates

Anders als von Windows gewohnt wird durch die zentrale Aktualisierungsverwaltung von Mint nicht nur das BS selbst, sondern auch alle aus den Quellen (oder PPAs) installierte Anwendersoftware automatisch aktuell gehalten.